In Person

Eine eigene Handschrift, ein auffälliger Gestaltungswille, historische Errungenschaften oder völlig neue Blickwinkel: Mit ausführlichen Personalen oder Filmreihen würdigen wir hier jene VertreterInnen der kurzen filmischen Form, die dem internationalen Kurzfilmschaffen - entweder ganz aktuell oder über lange Jahre - mit herausragenden Arbeiten ihren Stempel aufdrücken oder aufgedrückt haben.

Einer, der seit den späten 70er-Jahren ein gewaltiges Animationsfilm-Œuvre geschaffen hat, ist der US-Amerikaner Bill Plympton. Zu seinem 70er, den das Zentralgestirn des unabhängigen Animationsfilms und Vorbild von Künstlern wie David OReilly und Don Hertzfeldt Ende April feiert, widmet ihm VIS gemeinsam mit dem Österreichischen Filmmuseum ein ausführliches Spotlight.

Anouk De Clercq ist, wenn man so will, am anderen Ende des Kurzfilmspektrums angesiedelt. Ihr Werk erforscht das audiovisuelle Potenzial von Computersprache, um mögliche Welten mit einem starken architektonischen Charakter zu kreieren. Gemeinsam mit sixpackfilm ist der belgischen Künstlerin, deren Werke bereits in der Tate Modern und im Centre Pompidou gezeigt wurden, das zweite Spotlight gewidmet.

Als Artists-in-Residence begrüßen wir im Mai den britischen Animationskünstler Peter Millard, der auch den diesjährigen Trailer gestaltet hat, die ungarische Animations- künstlerin Réka Bucsi sowie die bosnische Filmemacherin Una Gunjak in Wien. Im Juni wiederum verbringt der deutsche Dokumentarist Jan Soldat einen Monat im Q21 des Museumsquartiers.

© Alexia Anastasio

Bill Plympton

„I could do a minute of animation a day, so theoretically, I could do a film in three months without any interruption“, behauptet der 1946 in Portland, Oregon geborene Bill Plympton. Sein sich von den späten 70er-Jahren bis in die Gegenwart erstreckendes Animations lm-Œuvre (zuvor war er Illustrator u.a. für die New York Times, Vogue, die Village Voice und Vanity Fair) scheint ihm Recht zu geben: Zahllose Kurzfilme, darunter Kult-Klassiker wie 25 Ways to Stop Smoking (1989), der Oscar-nominierte Guard Dog (2004) und mittlerweile vier Couch-Gags für The Simpsons (2012/2013/ 2014/2016), stehen neben sieben handgezeichneten, größtenteils unabhängig produzierten Langfilmen sowie Auftragsarbeiten für MTV, Volkswagen u.a. oder Musikvideos für Madonna und Kanye West.

Seinen ersten Film schickte Plympton im Alter von 14 Jahren an Disney, wo man ihn mit dem Verweis auf sein Alter ablehnte – nur um viele Jahre später anzufragen, ob er nicht Lust hätte, die Mutationen von Genie in Aladdin (1992) zu übernehmen. Diesmal lehnte Plympton ab – aus Sorge um seine Unabhängigkeit. „We don‘t need any more children‘s stories“, lautet eine weitere forsche Prämisse dieses Zentralgestirns im unabhängigen Animationfilm, der als prägender Vorläufer für die humoristischen Ausformungen von Serien wie The Simpsons und Family Guy gelten muss. Zugleich ist er das Vorbild von Künstlern wie David OReilly und Don Hertzfeldt, denen das Filmmuseum gemeinsam mit VIS Vienna Independent Shorts in den letzten Jahren ausführliche Programme widmete.

Plymptons Filme sind rau, brutal, politisch unkorrekt, dreckig – und doch gepra?gt von einer minutiösen, zärtlichen Liebe zum Detail. Sie versetzen düstere, skurrile, „unerlaubte“ Fantasiebilder in Bewegung oder versorgen uns einfach mit Lebensführungsratschlägen, ohne dabei ihr eigentliches Ziel je zu verhehlen: uns zum Lachen zu bringen. Die Derbheit seiner Szenerien und Sujets steht im Kontrast zu den mit schwungvollen Strichen, präzise und doch mit leichter Hand gefertigten Figuren und Welten, ein Stil, der sich über 40 Jahre zwar immer wieder verändert hat, im Kern aber als „echt Plympton“ erkennbar geblieben ist.

Die dreiteilige Schau inklusive Masterclass wird anlässlich des 70. Geburtstags von Bill Plympton in Zusammenarbeit mit dem Österreichischen Filmmuseum präsentiert und gibt Einblicke in das umfangreiche Schaffen des Künstlers.

Kuratiert von Alejandro Bachmann (Österreichisches Filmmuseum)

In Kooperation mit Österreichisches Filmmusem

Die dreiteilige Schau inklusive Masterclass gibt anlässlich des 70. Geburtstags von Bill Plympton Einblicke in das umfangreiche Schaffen des Künstlers.

Anouk De Clercq

Am Anfang war das Schwarz. Das Schwarz des Kinoraumes oder des Black Cubes eines Ausstellungshauses umhüllt uns (im Idealfall ohne Exit-Lichter), lässt uns zunächst orientierungslos, ohne Koordinaten für eine verlässliche Raumwahrnehmung. "Die Dunkelheit, die ich mag, ist die Dunkelheit eines Kinosaals", beschreibt Anouk De Clercq in ihrem jüngsten Film Black ihr Faible für das Dunkel, das den gesamten Raum und die Leinwand umschließt. Das "schwarze Bild", das so entsteht, ist das zentrale Arbeitsfeld der belgischen Künstlerin, dem sie ein eigenes, reflexives Werk gewidmet hat.

Dieses Schwarz ist zunächst immens, weil undurchdringlich, reicht vermeintlich bis ins Unendliche und ist zugleich höchst intim, weil es einen einhüllt, auf sich selbst und den eigenen Körper zurückwirft. Bis schließlich in dieses Schwarz filigrane Lichtstrahlen treten, die als Punkte auf die Leinwand treffen, sich dort vermehren, verbreiten, verdichten und auseinanderdriften, um sich schließlich in manchen ihrer Arbeiten zu komplexen architektonischen Gebilden zu formieren.
Womit wir bei einer der Kernfragen sind, um die das Video- und Filmschaffen der Künstlerin kreist: Ist ein schwarzes Bild per se Raum oder nur zweidimensionale Fläche, vergleichbar mit dem dunklen Nachthimmel, der in vor-aufklärerischen Zeiten als Gewölbe betrachtet wurde, an dem die Gestirne als Lichtpunkte befestigt sind? Die Lichtpunkte auf der Leinwand sind hier zunächst so etwas wie die kleinste Einheit eines (digitalen) Bildes, ein Pixel also, anfangs oft singulär und einsam gelassen in der umgebenden Dunkelheit und Ausgangspunkt des digitalen Bildes.

Begleitet von Anton Aekis oder Scanners Sounddesign werfen De Clercqs minimalistische Animationen fast metaphysische Fragen auf - und natürlich jene nach dem Raum und seiner Dimensionalitäten. In den Verdichtungen und Anhäufungen der Lichtpunkte auf der Leinwand bilden sich Tiefenperspektiven und plastische Körperlichkeiten. Aus diesen wiederum erwachsen vor dem staunenden Auge der KinobesucherInnen utopische architektonische Entwürfe oder ein von den Gesetzen der Schwerkraft befreiter, körperloser Blick.

Kuratiert von Gerald Weber (sixpackfilm) & Daniel Ebner (VIS Vienna Independent Shorts)

In Kooperation mit sixpackfilm

Anouk De Clercq ist künstlerisch-wissenschaftliche Mitarbeiterin an der School of Arts in Gent und Mitbegründerin der Produktions- und Distributionsplattform Auguste Orts in Brüssel. Ihre Arbeiten wurden bereits u.a. in der Tate Modern, in der Whitechapel Art Gallery, im Centre Pompidou und bei der Transmediale präsentiert und vielfach ausgezeichnet.