Fokus: Fear Is Not An Option

Angesichts eines radikalisierten Diskurses im Zuge der anhaltenden humanitären Krise und der erschreckenden Reaktionen in Europa sind wir oft geneigt, hitzköpfige Reaktionen mit Rationalität und Didaktik aufzuwiegen. Doch wenn Menschen auf eine potenzielle Gefahr emotional reagieren, kann man nicht nur allein an die Vernunft appellieren, sondern muss auch die Menschlichkeit und den emotionalen Kern der Menschen ansprechen.

Gerade das macht Film im Allgemeinen und Filmfestivals im Besonderen zu einem fruchtbaren Rahmen. Denn was spricht Kino an, wenn nicht unsere Emotionen, und welch andere fundamentale Qualität birgt es, wenn nicht die Befähigung zur Empathie. Festivals wiederum bieten eine Plattform, um sich zurückzuziehen und zu reflektieren. Angesichts der Kakophonie hysterischer Monologe können sie Raum für Dialog eröffnen.

Also lasst uns einen Blick auf unsere privaten und kollektiven Ängste wagen. Der diesjährige Fokus Fear Is Not an Option zielt nicht darauf ab zu verurteilen, sondern alternative Wege für einen diskursiven Rahmen zu schaffen. Im Zuge dessen gehen wir der Frage nach, was Angst denn eigentlich ist, wie sie sich in bestimmten Situationen neu formiert und wie ihr mit Neugier begegnet werden kann.

Angst ist eine hartnäckige Begleiterin und eine schlechte Ratgeberin - besonders in Bezug auf das Zusammenleben. Aber sie ist auch ein natürliches Gefühl, etwas, das sich in uns hineinschleicht und uns durchdringt. Letztlich haben wir jedoch die Wahl, ob wir unser Handeln von unseren Ängsten kontrollieren lassen oder ob wir sie annehmen und uns ihnen widersetzen.

(Diana Mereoiu, VIS Vienna Independent Shorts)

© Florencia Rovlich, Ygor Gama

Dreiecksprogramm

Seit 2013 laden wir jährlich zwei befreundete Festivals ein, sich ebenfalls dem aktuellen Fokusthema zu widmen und Programme zu kuratieren: In diesem Jahr widmeten sich das niederländische Go Short und das kanadische Festival du nouveau cinéma dem Thema Fear Is Not an Option. Gemeinsam mit einem Beitrag von VIS werden alle drei Programm auf allen drei Festivals gezeigt - nach der Premiere im April in Nijmegen nun am 29. Mai in Wien und im Oktober in Montréal.

In Kooperation mit Go Short & Festival du nouveau cinéma