VIS 2016 ­ Politische und poetische Filme ausgezeichnet

Hauptpreise für dänisch­palästinensische Flüchtlingsdoku, österreichischen Mystery­Film und experimentelle Arbeit von Siegfried A. Fruhauf ­- Publikum favorisierte französische Animation - Oscar®-­Qualifikation für politisches Kammerspiel und animierte Doku - Erfreuliche Festivalbilanz 

Mit Preisen für politische und poetische Filme geht heute, Dienstag, Abend die 13. Ausgabe von VIS Vienna Independent Shorts zu Ende. Den mit € 5.000 höchstdotierten Preis im Österreich­Wettbewerb erhielt die in Wien lebende argentinische Regisseurin Maria Luz Olivares Capelle für den Mystery­Kurzfilm "Wald der Echos". In den internationalen Wettbewerben setzten sich die dänisch­palästinensische Flüchtlingsdoku "A Man Returned" von Mahdi Fleifel (€ 4.000) und die lyrisch­experimentelle Arbeit "Vintage Print" des österreichischen Künstlers Siegfried A. Fruhauf (€ 2.000) durch.

Die Großen Preise der Jury, die auch die Qualifikation für die Academy Awards® bedeuten, gehen an das politische Kammerspiel "Ennemis intérieurs" ("Enemies Within") von Sélim Azzazi (Frankreich) und die poetisch animierte Doku "Quiet Zone" des kanadischen Regieduos Karl Lemieux und David Bryant. Das Publikum wiederum favorisierte die französische Animation "Le repas dominical" (Sunday Lunch) von Céline Devaux, die von der Jury auch mit einer einmonatigen Residency im Wiener Museumsquartier (Q21) bedacht wurde. Als beste Regisseurin des Festivals wurde Alex Gerbaulet (Deutschland) für die essayistische Doku "SCHICHT" geehrt, als beste Newcomer das Duo Peter Kutin und Florian Kindlinger (Österreich) für "Desert Bloom". Die Jugendjury ehrte den Animationsfilm "Uncanny Valley" von Paul Wenninger.

Höchst erfreulich fiel am Dienstagabend auch die Bilanz der VeranstalterInnen bei der Preisverleihung im METRO Kinokulturhaus aus: Die Personalen zu Bill Plympton (gemeinsam mit dem Filmmuseum) und Anouk De Clercq (gemeinsam mit sixpackfilm) erfreuten sich großer Beliebtheit. Die Filmkonzerte mit Zebra Katz und A Thousand Fuegos im METRO Kinokulturhaus (gemeinsam mit dem Filmarchiv Austria) zählten ebenso zu den diesjährigen Highlights wie die traditionellen Midnight Movies.

Der politische Schwerpunkt "Fear Is Not an Option" erfuhr breite Aufmerksamkeit, während die knapp 150 internationalen Gäste und 450 weiteren Akkreditierten nicht zuletzt die Wettbewerbe im Stadtkino im Künstlerhaus und das atmosphärische Festivalzentrum im Künstlerhaus genossen. Insgesamt verzeichnete das Festival heuer erneut rund 10.000 BesucherInnen. „Wir sind überglücklich, wie das Festival gelaufen ist und freuen uns über die große Wertschätzung und den Zuspruch, den wir dieses Jahr erfahren haben", so die beiden Festivalleiter Daniel Ebner und Benjamin Gruber.

VIS Vienna Independent Shorts findet im kommenden Jahr von 24. bis 30. Mai 2017 statt.

Die PreisträgerInnen in den Augen der Jurys

Wald der Echos" ist Maria Luz Olivares Capelles Diplomfilm (unter der Leitung von Michael Haneke an der Filmakademie Wien) und erhielt er in diesem Jahr auch bereits den Preis für den besten Kurzspielfilm der Diagonale. Im Österreich Wettbewerb von VIS begeisterte der Film die prominente Jury um Kritiker Andrey Arnold, Programmer Dan Karo (CA) und Kirsten Ruber (NL). „Der Film, der zwischen den Grenzen von Unbeschwertheit und dem Unheimlichen oszilliert, hat uns immer und immer wieder überrascht und es uns vor Spannung kaum aushalten lassen", so die Begründung.

Der Experimentalfilm „Vintage Print" von Siegfried A. Fruhauf gewinnt den ASIFA Austria Award für den besten Animations­ und Experimentalfilm. Nach dem Erfolg von Rainer Kohlberger im vergangenen Jahr wird damit erneut ein österreichischer Filmkünstler von der international besetzten Jury im Wettbewerb "Animation Avantgarde" ausgezeichnet. „'Vintage Print'" ist eine ausdrucksstarke Reise durch Bewegtbilder voller Überraschungen", begründete die Jury mit der renommierten belgischen Animationskünstlerin Anouk De Clercq, der Lektorin Cecilia Traslavina (CO) und Dietmar Schwärzler (AT) ihre Entscheidung.

Im internationalen Wettbewerb "Fiction & Documentary" erhält der dänisch­palästinensische Film „A Man Returned" von Mahdi Fleifel die mit € 4.000 dotierte Auszeichnung. Der eindrucksvolle Dokumentarfilm, der in diesem Jahr u.a. bereits bei der Berlinale den Silbernen Bären gewann, erzählt die Geschichte eines jungen palästinensischen Flüchtlings und seine ausdauernde - und vielfach scheiternde ­ Suche nach einem besseren Leben. Der politisch hochaktuelle Flüchtlingsfilm fügt sich passend zum diesjährigen Leitmotiv des Festivals "Fear Is Not an Option", das im Angesicht der aktuellen gesellschaftlichen Entwicklungen die Angst für keine produktive Ratgeberin erklärt. „Mit einem überraschenden Einblick in ungesehene Welten liefert der Film ein authentisches Porträt eines Mannes gefangen in einem persönlichen Konflikt", so die internationale Jury um Sundance Senior Programmer Mike Plante (US), die Kunsthistorikerin Claudia Slanar (AT) und den Kritiker Christopher Goodwin (UK).

Der Große Preis der Jury für den besten fiktionalen Film des gesamten Festivals und damit die erstmals vergebene Qualifikation für die Academy Awards® geht an den französischen Regisseur Sélim Azzazi und den Film „Ennemis Interieurs" ("Enemies within"). In dem ebenfalls sehr politischen Drama wird eine eigentlich harmlose Gesprächssituation über die französische Staatsbürgerschaft für einen Mann mit algerischen Wurzeln zum Spießrutenlauf. Die europäische Hysterie und Paranoia, ausgelöst durch Anschläge und Terrorismus, wird hier verdichtet in den kleinen Raum eines Besprechungszimmers. „Wunderschön gespielt und inszeniert zeigt 'Enemies within', dass ein Film nicht komplex sein muss, um zu beeindrucken und zu bewegen", erklärte die Jury.

Den Großen Preis der Jury für den besten Animationsfilm und die damit verbundene Qualifikation für die Oscars ® vergibt VIS an das kanadische Regieduo Karl Lemieux und David Bryant für den Film "Quiet Zone". In der eindrucksvollen Arbeit werden durch deformierte Bilder die alltäglichen elektromagnetischen Strahlen von Mobilfunk oder WLAN kunstvoll sichtbar gemacht. "Quiet Zone" ist „ein ausgewogener Film, der Experiment, Animation und Erzählkunst auf außergewöhnliche Weise kombiniert", befand die Jury.

Den Preis für das beste österreichische Musikvideo erhielt bereits am vergangenen Samstag Florian Pochlatko für seine Arbeit „God of Ghosts/Nu Renegade" mit der amerikanischen Rap­Ikone Zebra Katz und der britischen DJ Leila. Der Preis für das beste internationale Musikvideo ging an „Cold Stares" zur Musik von Nosaj Thing feat. Chance The Rapper, The O'My's" in der Inszenierung der japanischen Künstler TAKOM, Daito Manabe und MIKIKO.

Alle Preise auf einen Blick

FICTION & DOCUMENTARY

VIENNA SHORT FILM AWARD 2016 - Best International Fiction & Documentary Film
„A Man Returned" (DK/GB/NL) von Mahdi Fleifel
vergeben von der Stadt Wien im Wert von € 4.000

VIENNA SHORT FILM AWARD 2016 - Best Female Director
„Schicht" (D) von Alex Gerbaulet
vergeben von der Elfi Dassanowsky Stiftung im Wert von € 1.000

ANIMATION AVANTGARDE

ASIFA AUSTRIA AWARD - Animation Avantgarde
„Vintage Print" (AT) von Siegfried A. Fruhauf
vergeben von der ASIFA Austria im Wert von € 2.000

ARTIST­IN­RESIDENCE STIPEND 2016 - Animation Avantgarde
„Le repas dominical" (Sunday Lunch) (FR) - Céline Devaux
vergeben von MQ/Q21 im Wert von € 1.050 & einem einmonatigen Aufenthalt in Wien

ÖSTERREICH WETTBEWERB

VIENNA SHORT FILM AWARD 2016 - Bester österreichischer Film
„Wald der Echos" (AT) von Maria Luz Olivares Capelle
vergeben von der VdFS und dem Österreichischen Filminstitut im Wert von € 5.000

VIENNA SHORT FILM AWARD 2016 - Bester Newcomer
„Desert Bloom" (AT) von Peter Kutin und Florian Kindlinger
vergeben von ZAP Audiovisuelle Postproduktion GmbH im Wert von € 1.000

VIENNA SHORT FILM AWARD 2016 - Youth Jury Prize - Best Austrian Film
„Uncanny Valley" (FR/AT) von Paul Wenninger
vergeben von LISTO im Wert von € 1.000 als Postproduktionsgutschein

SCREENSESSIONS / MUSIC VIDEOS

VIENNA SHORT FILM AWARD 2016 - Österreichischer Musikvideopreis
„God of Ghosts/ Nu Renegade - Zebra Katz x Leila" (AT) von Florian Pochlatko
vergeben vom Fachverband der Film­ und Musikindustrie im Wert von € 1.000

VIENNA SHORT FILM AWARD 2016 - Best International Music Video
„Cold Stares ­ Nosaj Thing feat. Chance The Rapper, The O'My's" (JP) von TAKOM, Daito Manabe, MIKIKO
vergeben vom MQ/Q21 im Wert von € 1.050 & einem einmonatigen Aufenthalt in Wien

GRAND JURY PRIZE

GRAND JURY PRIZE 2016 - Best Fiction Film
„Ennemis interieurs" (Enemies within) (FR) von Sélim Azzazi Qualifies for the Academy Awards®

GRAND JURY PRIZE 2016 - Best Animated Film
„Quiet Zone" (CA) von Karl Lemieux und David Bryant Qualifies for the Academy Awards®

SPECIAL MENTIONS

VIENNA SHORT FILM AWARD 2016 - Special Mention für die Beste Schauspielerin Sokhna Diallo in „Maman(s)" (FR) - Maïmouna Doucouré

VIENNA SHORT FILM AWARD 2016 - Youth Jury Prize Special Mention
„Die Badewanne" von Tim Ellrich

ASIFA AUSTRIA AWARD ­ Special Mention
„Tosse Not My Soule" (GB) von Sebastian Buerkner

PUBLIKUMSPREISE

VIS AUDIENCE AWARD 2016 - Animation Avantgarde
„Le repas dominical" (FR) von Céline Devaux


VIS AUDIENCE AWARD 2016 - Prix Très chic pour le film le plus extraordinaire „MeTube 2: August sings 'Carmina Burana'" (AT) von Daniel Moshel

BELIEBTESTE FILME

Most Popular Austrian Film
„Cerro Ricco ­ The Silver Mountain" (AT) von Armin Thalhammer

Most Popular International Fiction & Documentary Film
„Zvjerka" (FI/HR) von Daina O. Pusic

Most Popular Music Video 
„Deep Down Low - Valentino Khan" (GB/US) von Ian Pons Jewel